S/4HANA, regulatorische Vorgaben und internationale Rollouts treiben den Bedarf an hoch spezialisierten SAP-Expert:innen. Viele Unternehmen unterschätzen jedoch, wie viel Vorlauf Projekte benötigen und wie knapp bestimmte Kompetenzen im Markt sind.

Wer über den SAP-Arbeitsmarkt spricht, landet schnell bei einer vermeintlich einfachen Frage: Gibt es genügend SAP-Fachkräfte? Dabei sollte die Frage aus meiner Sicht vielmehr lauten: Für welche Spezialisierungen sind SAP-Fachkräfte tatsächlich rar?

In den vergangenen Jahren hat sich der SAP-Arbeitsmarkt deutlich fragmentiert. Ein Unternehmen, das eine umfassende S/4HANA-Transformation vorbereitet, hat einen anderen Personalbedarf als eines, das Unterstützung bei E-Invoicing, Zollprozessen oder einem internationalen Rollout benötigt. Je nach Spezialisierung unterscheidet sich daher auch die Zahl der verfügbaren Fachkräfte erheblich. Bei etablierten SAP-Profilen kann die Auswahl durchaus groß sein. Besonders knapp wird es dort, wo SAP-Kompetenz mit regulatorischem, finanziellem oder branchenspezifischem Wissen zusammenkommt.

 

„Im SAP-Umfeld geht es selten einfach nur darum, einen SAP-Berater zu finden. Viel wichtiger ist die Frage, welches konkrete Problem gelöst werden soll.“

 

Die SAP-Transformation ist noch lange nicht abgeschlossen

Der Blick auf den aktuellen SAP-Markt zeigt, wie viel Bewegung noch vor uns liegt. Laut DSAG-Investitionsreport 2026 nutzen 56 % der befragten Unternehmen bereits S/4HANA On-Premises. Gleichzeitig sind SAP ECC beziehungsweise die alte SAP Business Suite bei 54 % noch im Einsatz. Ein Teil der Unternehmen betreibt also beide Systeme parallel.

Von den Unternehmen, die weiterhin in ECC investieren, plant fast die Hälfte die vollständige Umstellung erst bis Ende 2030. Als Gründe für längere Zeitpläne nennt die DSAG unter anderem komplexe Systemlandschaften, parallele Transformationsprojekte, begrenzte Budgets und fehlende Fachkräfte.

Auch die SAP Studie 2026 von valantic und techconsult zeigt, wie stark die Transformation derzeit läuft: Rund 70 % der 409 befragten Entscheider:innen und CxOs aus dem deutschsprachigen Raum befinden sich in der S/4HANA-Migration oder haben sie bereits abgeschlossen. Hinter solchen Zahlen stehen jedoch keine einheitlichen Transformationsprogramme. Unternehmen arbeiten parallel an Migrationen, Rollouts, Compliance-Themen und weiteren Teilprojekten. 

Neben großen Beratungshäusern, die komplette Programme begleiten, gibt es deshalb einen ausgeprägten Markt für einzelne Spezialist:innen und kleinere Projektteams. Sie werden dann gebraucht, wenn Know-how für eine bestimmte Aufgabe intern fehlt oder nicht in ausreichendem Umfang vorhanden ist. Genau das erklärt auch, warum Freelance im SAP-Umfeld eine so große Rolle spielt.

SAP-Freelancer bringen Wissen mit, das intern meist fehlt

Der zentrale Vorteil externer SAP-Spezialist:innen liegt in ihrer Projekterfahrung. Sie haben vergleichbare Migrationen, Rollouts oder regulatorische Umstellungen bereits begleitet, kennen typische Stolpersteine und wissen, an welchen Stellen Projekte erfahrungsgemäß ins Stocken geraten. Ein Freelancer bringt also nicht nur zusätzliche Kapazität mit, sondern konkrete Erfahrung aus ähnlichen Projektsituationen.

 

„Die Erfahrung externer SAP-Berater ist insbesondere für Unternehmen in stark regulierten Branchen wertvoll, weil so Projekt-Deadlines eingehalten und hohe Folgekosten vermieden werden können.“

 

Der Einsatz von Freelancern ist klar projektbezogen und zeitlich begrenzt. Unternehmen holen sich Spezialwissen genau für die Phase, in der sie es benötigen. Das kann etwa eine S/4HANA-Migration sein, die Einführung von E-Invoicing oder Digital Reporting Compliance, ein internationaler SAP-Rollout, die Umsetzung von Zollanforderungen in SAP GTS oder spezielle Logistikprozesse mit SAP EWM. Ist diese Projektphase abgeschlossen, endet auch der konkrete Bedarf an dieser zusätzlichen Expertise. 

Aus wenigen Monaten Projektlaufzeit können schnell 20 Monate werden

Unternehmen sollten externe SAP-Spezialist:innen frühzeitig einplanen. Denn der Projektumfang kann sich im Verlauf erheblich verändern. Besonders deutlich wird das bei internationalen Anforderungen. Ein SAP-Projekt, das zunächst nur für Deutschland geplant wird, kann vergleichsweise überschaubar erscheinen. Sobald weitere Länder hinzukommen, steigt die Komplexität. Frankreich, Polen oder Rumänien bringen beispielsweise jeweils eigene regulatorische und prozessuale Anforderungen mit.

Wie schnell daraus ein deutlich größeres Projekt werden kann, habe ich bei einem Kunden selbst erlebt. [HANS: Können wir hier konkreter werden, z. B. „bei einem international tätigen Life-Science-Unternehmen aus Frankfurt“?] Ursprünglich war die Unterstützung für einen wesentlich kürzeren Zeitraum von etwa drei Monaten vorgesehen. Im Austausch mit weiteren Abteilungen wurde jedoch deutlich, dass zusätzliche Länder, Gesellschaften und Anforderungen berücksichtigt werden mussten. Aus einer zunächst überschaubaren Anfrage entstand schließlich ein Projekt mit einer Laufzeit von rund 20 Monaten.

Das Beispiel zeigt ein typisches Problem: Zu Projektbeginn wird häufig nur der offensichtlichste Bedarf betrachtet. Wie viele Stakeholder, Länder und Prozesse tatsächlich betroffen sind, zeigt sich teilweise erst später. 

Oft ist unklar, welche SAP-Expertise wirklich gebraucht wird

Neben dem Projekt-Scope erlebe ich regelmäßig ein zweites Problem: Unternehmen wissen zu Beginn nicht immer genau, welche Expertise sie tatsächlich benötigen. Sie kommen beispielsweise auf uns zu, weil sie zunächst „einen SAP-Finance-Berater (m/w/d)“ suchen. Dahinter können jedoch völlig unterschiedliche Anforderungen stehen.

Geht es um technische Konfiguration, funktionale Prozesse oder regulatorisches Finance-Wissen? Oder braucht das Unternehmen jemanden, der SAP und Fachbereich gleichermaßen versteht? 

 

„Die Vorstellung, dass eine einzige Person technische, funktionale und fachliche Anforderungen gleichermaßen abdeckt, führt in Projekten häufig zu falschen Erwartungen.“

In der Projektbesprechung mit Kunden zeigt sich dann mitunter, dass eine Ressource nicht ausreicht. Statt einer einzelnen Person werden zwei oder drei Spezialist:innen benötigt. Eine präzise Definition der Aufgaben ist daher wichtiger als eine möglichst lange Liste gewünschter SAP-Module im Anforderungsprofil.

Der Markt wartet nicht auf lange Auswahlprozesse

Beim Recruiting von Freelancern funktioniert der Projektmarkt anders als bei einer klassischen Festanstellung. Gefragte SAP-Spezialist:innen sprechen häufig parallel mit mehreren Unternehmen. Oft geschieht das bereits, während ihr aktuelles Projekt noch läuft. Sobald ein Folgeprojekt konkret wird, entscheiden sie sich meist schnell. Daher passt ein Auswahlprozess mit mehreren Gesprächsrunden, Case Study und drei oder vier Wochen interner Abstimmung nicht zur Realität des Marktes.

Das bedeutet nicht, dass Unternehmen bei der Qualität Abstriche machen sollten. Referenzen und nachweisbare Erfahrung aus vergleichbaren SAP-Projekten sind bei hoch spezialisierten Anforderungen und in regulierten Märkten unerlässlich. Ein klar definiertes Profil, festgelegte Entscheider:innen und ein kompakter Auswahlprozess helfen jedoch, Qualität und Geschwindigkeit miteinander zu verbinden.

Ein Netzwerk entsteht nicht erst mit der Projektanfrage

Damit Unternehmen bei kurzfristigem Bedarf schnell reagieren können, steht unser SAP-Team kontinuierlich im persönlichen Austausch mit spezialisierten Freelancern. Dabei geht es nicht nur um aktuelle Verfügbarkeiten.

  • Welche Projekte laufen gerade? 

  • Wann endet ein Einsatz? 

  • Welche neuen Kompetenzen und Erfahrungen sind hinzugekommen? 

  • Welche Themen begegnen den SAP-Berater:innen bei ihren Kunden?

Dieser Austausch gehört zu meinem täglichen Geschäft. Denn bei stark gefragten Profilen zählt nicht nur, wer wann verfügbar ist. Ein wichtiger Faktor ist auch, was jemand im letzten Projekt dazugelernt hat. So bleiben unsere Talentpools aktuell, und wir können passende SAP-Expert:innen schneller identifizieren und vorstellen, auch wenn ein Projekt bereits unter Zeitdruck steht.

Wer früh SAP-Projektunterstützung plant, verschafft sich Handlungsspielraum

Ich gehe davon aus, dass die Spreizung zwischen gut verfügbaren und seltenen SAP-Profilen auch in den kommenden Jahren bestehen bleibt. Neue regulatorische Anforderungen, weitere Rollouts und politische Unsicherheiten sorgen dafür, dass immer wieder sehr spezifische Expertise benötigt wird.

Erfolgreiche Ressourcenplanung beginnt deshalb deutlich vor der eigentlichen Besetzung. Unternehmen sollten zunächst den Projekt-Scope möglichst realistisch festlegen:

  • Welche Länder, Prozesse und Fachbereiche sind betroffen?

  • Welche regulatorischen oder technischen Anforderungen kommen hinzu?

  • Und welche Expertise wird dafür tatsächlich benötigt?

Im nächsten Schritt lohnt es sich, eine spezialisierte Personalberatung einzubinden. Sie kennt den SAP-Markt genau und schärft gemeinsam mit dem Unternehmen den echten Bedarf. Weil seltene Expertise nicht jederzeit verfügbar ist, kann dieser externe  Recruiting-Partner passende Freelancer rechtzeitig sichern und den Einstieg ins Projekt begleiten.

Auch nach dem Projektstart sollte die Ressourcenplanung flexibel bleiben. Erweitert sich der Scope oder kommen weitere Länder hinzu, zahlt sich ein gewachsenes und aktiv gepflegtes Netzwerk aus.

Das ist der wichtigste Punkt: SAP-Projekte lassen sich nicht immer bis ins letzte Detail vorhersehen. Unternehmen können sich aber darauf vorbereiten, indem sie früh planen, den tatsächlichen Bedarf sauber definieren und die passenden Expert:innen nicht erst dann suchen, wenn die Deadline bereits drängt.

 

Quellen

DSAG-Investitionsreport 2026: Unternehmen investieren gezielter – KI etabliert sich, Cloud auf dem Prüfstand

valantic / techconsult: SAP Studie 2026


 

Über den Autor

Hans Pelzer, Branch Manager bei Harvey Nash, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Markt für spezialisierte Fachkräfte und Projektressourcen. Bei Harvey Nash liegt sein Fokus unter anderem auf dem SAP-Umfeld und der Vermittlung spezialisierter Expert:innen für Transformations- und Projektanforderungen in stark regulierten Märkten.

 

 

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ildquelle: KI-generiert an 23.09.2026